Die Apotheke ist oft der letzte verbliebene Gesundheitsposten in kleinen Gemeinden: Wo Praxen, Postämter und Schulen schließen, bleibt das grüne Kreuz erleuchtet. Aber nicht überall. Nach Daten des Gesundheitsministeriums mit Stand 2026 gibt es in Italien 20.794 aktive Apotheken, die jedoch alles andere als gleichmäßig verteilt sind: 7.258 Gemeinden haben mindestens eine Apotheke, was bedeutet, dass rund 638 italienische Gemeinden völlig ohne auskommen müssen.
Das sind die sogenannten Apothekenwüsten: Gebiete, fast immer klein und gebirgig, wo man für ein Medikament in die Nachbargemeinde fahren muss. In dieser Analyse betrachten wir die Apothekendichte pro 10.000 Einwohner, Gemeinde für Gemeinde, und entdecken eine Geografie, die die Erwartungen umkehrt: Die Rekordwerte liegen in Kleinstdörfern, die auffälligsten Lücken in einigen mittelgroßen Städten.
Die 10 Gemeinden mit den meisten Apotheken pro 10.000 Einwohner
Apothekendichte pro Bevölkerung: die höchsten Werte Italiens
Das Paradox der kleinen Dörfer
An der Spitze des Dichterankings stehen keine Städte, sondern winzige Dörfer: Montegiordano in der Provinz Cosenza führt mit 20,03 Apotheken pro 10.000 Einwohner, gefolgt von Santo Stefano in Aspromonte mit 19,98 und Bolognano bei Pescara mit 19,94. Im Ranking erscheinen auch Liberi bei Caserta, Crognaleto in der Provinz Teramo, Petrella Salto bei Rieti und Radicofani in der Toskana.
Das Paradox ist nur scheinbar: In einer Gemeinde mit 500 Einwohnern erzeugt eine einzige Apotheke eine Rate von 20 pro 10.000. Diese Rekordwerte sind in Wirklichkeit das Zeichen, dass das System der Landapotheken funktioniert: Die italienische Apothekenplanung, die die Standorte nach Bevölkerung vergibt, aber auch kleineren Orten Versorgungspunkte garantiert, und die Subventionen für Landapotheken haben Betriebe am Leben erhalten, die der reine Markt längst geschlossen hätte.
Die 10 Gemeinden mit den wenigsten Apotheken pro 10.000 Einwohner
Apothekendichte pro Bevölkerung: die niedrigsten Werte unter den Gemeinden mit mindestens einer
Der Fall Sardinien: die Lücken liegen in den Mittelstädten
Das umgekehrte Ranking birgt die eigentliche Überraschung: Die am schlechtesten versorgten Gemeinden sind keine entlegenen Weiler, sondern mittelgroße Zentren, und Sardinien dominiert die Liste. Olbia ist Letzter in Italien mit nur 0,49 Apotheken pro 10.000 Einwohner, gefolgt von Arzachena mit 0,74, Villacidro mit 0,78, Carbonia mit 0,79, Iglesias mit 0,82 und Sant'Antioco mit 0,96. Sechs der zehn am schlechtesten versorgten Gemeinden Italiens sind sardisch.
Hinzu kommen Gemeinden aus jüngeren Fusionen wie Figline e Incisa Valdarno in der Toskana, Terre del Reno und Valsamoggia in der Emilia-Romagna: Gebiete, in denen die aggregierte Bevölkerung schneller wuchs als die Anpassung des Apothekenstellenplans. Der Fall Olbia, eine demografisch und touristisch stark wachsende Stadt, zeigt, dass die Apothekenwüste nicht nur ein Bergproblem ist: Sie kann auch der Rückstand des Angebots gegenüber einer explodierenden Nachfrage sein.
Rom und Mailand: die großen Zahlen
In den Metropolen geht es nicht um Dichte, sondern um Flächendeckung. Die Gemeinde Rom zählt 833 Apotheken, der höchste Absolutwert Italiens, und Mailand 428: Im Verhältnis zur Bevölkerung bedeutet das rund 3 Apotheken pro 10.000 Einwohner, nahe am Durchschnitt der Stadtzentren, wo die Entfernung zur nächsten Apotheke in Hunderten Metern und nicht in Kilometern gemessen wird.
Warum Apothekenwüsten zählen
Für einen älteren Menschen ohne Auto in einer Berggemeinde bedeutet das Fehlen der Apotheke, bei jeder Therapie auf jemanden angewiesen zu sein. Die rund 638 Gemeinden ohne Apotheke sind fast alle Orte unter tausend Einwohnern, dieselben, die den Fragilitätsindex anführen: Die Karte der Apothekenwüsten überlagert sich mit der der Entvölkerung. Lösungen existieren, von Arzneimittelausgabestellen über Hauslieferung bis zur Dienstleistungsapotheke, aber sie verlangen, die Apotheke als das zu betrachten, was sie in kleinen Gemeinden ist: ein wesentlicher Gesundheitsposten, kein Geschäft wie jedes andere.