Die Stadt am Vesuv fiel in elf Jahren von 875 auf 800 Schulen, während der Küstengürtel Roms wächst. In Mailand ist mehr als die Hälfte aller Schulen privat.
Im Schuljahr 2015/16 hatte Neapel 875 Schulen. Im gerade beendeten Schuljahr sind es noch 800 — eine Schließung alle zwei Monate, elf Jahre lang. Im selben Zeitraum stieg Fiumicino an der Küste westlich von Rom von 56 auf 59 Schulen. Kleine Zahlen, entgegengesetzte Richtungen.
Das italienische Statistikamt ISTAT hat soeben seine Klassifikation der Bildungsabschlüsse aktualisiert — das Raster, mit dem das Land Diplome und Studienabschlüsse vermisst. Doch vor den Abschlüssen kommen die Klassenzimmer, und deren Landkarte verschiebt sich: nicht dorthin, wo man es erwarten würde. Es schließen nicht nur die Zwergschulen in den Bergen. Es schließt die drittgrößte Stadt Italiens, eine der bevölkerungsreichsten Gemeinden des Landes.
Zahl der Schulstandorte je Gemeinde, staatlich und privat. Quelle: DatiItalia — auf Basis des Schulregisters des Bildungsministeriums
An der Spitze des Rankings steht Rom mit 1.930 Schulstandorten — vor elf Jahren waren es noch 1.985. Mailand rutschte von 839 auf 820 ab. Neapel fiel, wie gesehen, von 875 auf 800: der steilste Rückgang der drei. Italiens Schullandkarte dünnt genau dort aus, wo die meisten Schüler wohnen.
Die Gegenbewegung gibt es, und sie verläuft durch die Speckgürtel. Fiumicino kletterte von 56 auf 59 Schulen, Aprilia von 39 auf 41, Vimercate in der Brianza von 22 auf 24, Melegnano von 16 auf 17. Dorthin ziehen junge Familien, wenn die Stadt zu teuer wird: Die Klassenzimmer folgen den Umzugswagen, mit ein paar Jahren Verspätung.
Und dann gibt es den Vorortring, der an Einwohnern wächst, aber nicht an Schulen. Trecate bei Novara hat 21.305 Einwohner und insgesamt 6 Schulen — genauso viele wie 2015/16. Bresso, direkt vor den Toren Mailands, hat 9 Schulen für 26.672 Einwohner: keine einzige mehr als vor elf Jahren, und kein Gymnasium. Wer dort eines besuchen will, steigt jeden Morgen in den Bus.
Gesamtzahl der Schulstandorte in der Gemeinde Neapel je Schuljahr. Quelle: DatiItalia — auf Basis des Schulregisters des Bildungsministeriums
Im neapolitanischen Rückgang steckt ein Detail, das die Debatte über die staatlichen Schulen des Südens meist übergeht. In Neapel brachen die staatlich anerkannten Privatschulen ("paritarie") von 302 auf 231 ein, die staatlichen Grundschulen fielen von 191 auf 169: Die Stadt verliert an beiden Fronten. Doch Italiens Hauptstadt der nichtstaatlichen Schule liegt woanders. In Mailand sind 460 von 820 Schulstandorten privat — mehr als die Hälfte. In Rom sind es 894 von 1.930, knapp jede zweite.
Die stärkste Konzentration aber findet sich weiter südlich. In Giugliano in Campania, der bevölkerungsreichsten italienischen Gemeinde ohne Provinzhauptstadt-Status, sind 54 von 95 Schulen privat. Wo der Staat spät kommt, füllt das Private die Lücke — vom Mailänder Umland bis zum neapolitanischen.
Eine gebotene Transparenz: Das Register, das wir nutzen, zählt Schulstandorte — weder eingeschriebene Schüler noch die Bildungsabschlüsse der Einwohner, die Gemeinde für Gemeinde noch nicht in unserer Datenbank stehen. Genau dafür ist die neue ISTAT-Klassifikation gedacht, sobald diese Daten kommen.
Von den 7.896 italienischen Gemeinden haben nur 7.013 mindestens einen Schulstandort. Die übrigen haben keinen: Die Kinder steigen ins Auto oder in den Überlandbus ins Nachbardorf. Und viele der Gemeinden, die eine Schule haben, bleiben bei genau dieser einen stehen. Abbateggio am Maiella-Massiv, Agra oberhalb des Lago Maggiore und Aidomaggiore in der Gegend von Oristano zählen je 1 Schule — fast immer ein Kindergarten oder eine Grundschule, der letzte Außenposten vor dem Bus.
Es ist die Kehrseite der niedrigsten Geburtenrate in der Geschichte der italienischen Republik: Wo keine Kinder geboren werden, schließt früher oder später das Klassenzimmer. Doch die Zahlen dieser Seite zeigen, dass das kein Naturgesetz ist, das überall gleich wirkt. Neapel fiel von 875 Schulen auf 800. Fiumicino stieg in denselben Jahren von 56 auf 59: drei gewonnene Klassenzimmer, wo das Land sie dutzendweise verliert.