Im ersten Quartal 2026 fällt die Quote auf den tiefsten Stand seit 2018. Doch Bergamo liegt bei 1,3 Prozent, Agrigent bei 19,8 — das Fünfzehnfache.
In Bergamo bleibt von hundert Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, kaum mehr als einer ohne Stelle: Die Arbeitslosenquote der Provinz liegt bei 1,3 Prozent. In Agrigent auf Sizilien sind es 19,8 Prozent — das Fünfzehnfache. In dieser Spanne muss man die Istat-Zahlen zum ersten Quartal 2026 lesen: Arbeitslosigkeit landesweit bei 5,4 Prozent, der niedrigste Wert der seit 2018 laufenden Quartalsreihe, nach 6,8 Prozent ein Jahr zuvor. Der Rekord ist die Schlagzeile. Die eigentliche Nachricht ist, dass diese 5,4 Prozent ein Mittelwert über Arbeitsmärkte sind, die einander in nichts ähneln.
Die Geografie hält sich nicht buchstabengetreu an das Nord-Süd-Drehbuch. Im ersten Quartal 2026 schlägt die Abruzzen-Region mit 4,4 Prozent Arbeitslosigkeit das Piemont (5,4 Prozent) und Ligurien (5,6 Prozent): eine Region des Mezzogiorno vor zwei Regionen des industriellen Nordens. Dann greift das Drehbuch wieder. Kampanien verharrt bei 11,2 Prozent, dem Vierfachen der Lombardei (2,8 Prozent); das Aostatal vereint die niedrigste Arbeitslosigkeit (2,6 Prozent) mit der höchsten Beschäftigungsquote von 72,3 Prozent. Eine Einschränkung gehört dazu: Die regionale Quartalsreihe deckt zwölf Regionen ab. Für die übrigen, darunter Venetien und die Emilia-Romagna, ist der Vergleich nur mit Jahresdaten auf Provinzebene möglich.
Arbeitslosenquote der 15- bis 74-Jährigen, unbereinigte Reihe der Istat-Arbeitskräfteerhebung. Zwölf Regionen mit Quartalsdaten. Quelle: Istat, Aufbereitung DatiItalia.
Die Arbeitslosenquote zählt allerdings nur, wer aktiv eine Stelle sucht. Die Beschäftigungsquote zählt, wer eine hat — und dort geht die Schere erst richtig auf. In Bologna arbeiten 74,2 Prozent der 15- bis 64-Jährigen, fast drei von vier. In Tarent 39,7 Prozent: weniger als vier von zehn, kaum mehr als die Hälfte des Bologneser Werts. Neapel hält beide falschen Rekorde zugleich, eine Beschäftigung von 43,7 Prozent und eine Arbeitslosigkeit von 17,9 Prozent. Mailand lebt mit 72,8 Prozent Beschäftigten in einem anderen Land.
Beschäftigungsquote der 15- bis 64-Jährigen, Jahresdurchschnitt 2025. Quelle: Istat-Arbeitskräfteerhebung, Aufbereitung DatiItalia.
Beschäftigungsquote der 15- bis 64-Jährigen, Jahresdurchschnitt 2025. Quelle: Istat-Arbeitskräfteerhebung, Aufbereitung DatiItalia.
Der lange Blick zeigt das Ausmaß des Wandels — und seine Grenze. Im ersten Quartal 2018 lag die Arbeitslosigkeit bei 11,6 Prozent: In acht Jahren ist sie auf weniger als die Hälfte gefallen. Die Beschäftigung stieg im selben Zeitraum von 57,6 auf 62,5 Prozent. Keine fünf Punkte. Italien hat seine Arbeitslosenzahl halbiert, ohne im gleichen Tempo Stellen zu besetzen: Die Differenz besteht vor allem aus Menschen, die die Suche aufgegeben haben und in keiner der beiden Quoten auftauchen. Ein letzter Hinweis: Gemeindedaten gibt es nicht. Die Arbeitskräfteerhebung endet auf Provinzebene; wer die eigene Gemeinde prüfen will, braucht einen anderen Indikator. Der nächstliegende ist das Durchschnittseinkommen der Steuerzahler, hier unten.