In Casavatore bei Neapel bedeckt Beton 91,8 Prozent der Fläche. Der Lombardei-Rekord, Lissone, liegt zwanzig Punkte darunter.
Sie liegt nicht in Mailand, auch nicht in einer der Brianza-Gemeinden, wo die Rechenzentren entstehen. Es ist Casavatore, ein Häuserfleck zwischen Neapel und Arzano: Hier bedecken Beton und Asphalt 91,8 Prozent des Gemeindegebiets. Fast alles. Zwischen den Blocks bleiben ein paar Gemüsegärten.
Die Zeitungen jagen dieser Tage dem Boom der Rechenzentren südlich von Mailand und den neuen Supermärkten bei Treviso nach. Der Flächenverbrauch aber hat eine ältere, südlichere Geografie. Und der Rekord liegt nicht dort, wo die Nachrichten hinschauen.
Anteil der versiegelten Gemeindefläche. Quelle: DatiItalia — Auswertung von ISPRA-Daten.
Die übliche Erzählung setzt die Lombardei an die Spitze des Flächenverbrauchs, und in absoluten Zahlen stimmt das. In Prozent aber bleibt die am stärksten versiegelte Gemeinde der Region, Lissone in der Brianza, bei 71,5 Prozent stehen: viel, und doch zwanzig Punkte unter Casavatore. Direkt dahinter kommt Sesto San Giovanni, 69,2 Prozent, die alte Fabrikstadt. Im Speckgürtel von Neapel dagegen überschreiten drei Gemeinden die Achtzig-Prozent-Marke: nach Casavatore folgen Arzano mit 83,4 und Melito di Napoli mit 81,5.
Es sind kleine, extrem dichte Orte, mit einer der höchsten Bevölkerungsdichte Italiens. Freies Land ist dort längst aufgebraucht.
Anteil der verbrauchten Gemeindefläche. Quelle: DatiItalia — Auswertung von ISPRA-Daten.
Das Zählen in Prozent belohnt die kleinen Gemeinden. Das Zählen in Hektar dreht die Rangliste erneut um. Padua allein hat 4.603 Hektar verbraucht, 49,7 Prozent seiner Fläche: mehr als jede Gemeinde im Speckgürtel von Neapel in absoluten Werten. Im Norden, im zersiedelten Veneto, erreicht auch Treviso 39,5 Prozent, und ringsum wachsen Lagerhallen und Einkaufszentren wie die in diesen Tagen umkämpften in Villorba und Spinea.
In der Lombardei führt der absolute Wert wieder woandershin. Paderno Dugnano, im Mailänder Hinterland, hat fast 880 Hektar versiegelt: mehr als Lissone, trotz niedrigerer Prozentzahl. Auf diese bereits aufgezehrte Ebene werden die neuen Rechenzentren von Corsico, Pero und Settimo Milanese kommen.
Die Zahl ist nicht der Beton, den man sieht. Die ISPRA zählt "verbrauchten" Boden: bedeckt von Asphalt, Gebäuden, Baustellen, Paneelen, Straßen. Einmal versiegelt, kehrt er fast nie zurück. 2024 erfasst die Erhebung alle über achttausend italienischen Gemeinden, von den großen Städten bis zu den Dörfern, die in den Ranglisten für das durchschnittliche Einkommen oder die Bevölkerungsdichte ganz unten stehen.
Was die nationalen Summen nicht sagen, ist, wie schwer jede neue Lagerhalle auf ohnehin knappem Land wiegt. Der Prozentsatz hält einen Ort wie Casavatore bei 91,8 fest: Dort gibt es den nächsten Quadratmeter freien Bodens nicht mehr.