In Rodeneck über Bozen: 20,3 Geburten je tausend, Rekord Italiens. In Sassari starben 2025 1.400 Menschen, 483 wurden geboren.
Die geburtenstärkste Gemeinde Italiens ist keine Stadt. Sie liegt auf 928 Metern über Brixen in der Provinz Bozen und heißt Rodeneck: 1.283 Einwohner. Hier erreicht die Geburtenrate 20,3 Geburten je tausend Einwohner, der höchste Wert des Landes. Der italienische Durchschnitt liegt unter zehn. Während die Zeitungen den demografischen Winter als gemeinsames Schicksal beschreiben, sagen die Zahlen Gemeinde für Gemeinde etwas anderes. Die Kälte fiel nicht überall gleich hart.
Die Schlagzeilen kreisen um leere Wiegen und Regeln fürs Einfrieren von Eizellen. Das echte Einfrieren steht längst auf der Karte: Orte, in denen weiter Kinder geboren werden, und Orte, deren letzte Grundschulklasse vor Jahren geschlossen hat.
Geburtenrate je tausend Einwohner, Gemeinden über 1.000 Einwohner. Quelle: DatiItalia — auf Basis von ISTAT-Daten
Eine Zahl sollte man sich merken: Im Schnitt verzeichnet jede italienische Gemeinde 45 Geburten und 83 Sterbefälle im Jahr. Es werden kaum halb so viele Menschen geboren wie sterben. Dort entscheidet sich alles, nicht bei den Prämien.
Und doch dreht die Geografie die einheitliche Erzählung um. In Rodeneck liegt der Alterungsindex bei 90,5 — weniger als ein Alter je Junge, ein Drittel des nationalen Werts von fast 291. Das Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre, acht weniger als im übrigen Italien. Kein Einzelfall der Alpen: In Kastelbell-Tschars, Vöran und Schlanders bleibt die Geburtenrate über dreizehn je tausend. Auch jenseits der Alpen hält etwas — San Costantino Calabro bei Vibo Valentia nähert sich sechzehn je tausend, Scala über Amalfi übertrifft dreizehn. Der Einbruch hat genaue Ausnahmen, und fast immer sind es kleine Gemeinden.
Auf der anderen Seite derselben Insel liegt der umgekehrte Fall, der in den Nachrichten steht. In Sassari kamen 2025 483 Kinder zur Welt, 1.400 Menschen starben: fast drei Tote je Wiege. Mit 120.510 Einwohnern verliert die sardische Stadt jedes Jahr ein kleines Dorf, und Prognosen sehen sie binnen zwei Jahrzehnten unter hunderttausend. Der lokale Alterungsindex von 291 deckt sich fast auf die Kommastelle mit dem italienischen Mittel. Sassari ist das alternde Italien, Rodeneck die Ausnahme.
Die härtesten Fälle liegen in Bergdörfern, die niemand nennt. In Farini im Apennin von Piacenza kommen auf hundert Junge 1.053 Alte, das Durchschnittsalter erreicht 59,7 Jahre — das höchste des Landes. Dort geht es nicht mehr um Geburten. Es geht ums Überleben der Gemeinde.
Alterungsindex: Alte je 100 Junge, Gemeinden über 1.000 Einwohner. Quelle: DatiItalia — auf Basis von ISTAT-Daten
Der nationale Durchschnitt verbirgt zwei Italien, die sich voneinander entfernen: eines, das Kinder bekommt, und eines, das seine Schulen schließt. Bevor man an einen für alle gleichen Winter glaubt, sollte man die Zahlen des eigenen Wohnorts nachschlagen.