In Casavatore bei Neapel sind 91,8 Prozent der Fläche mit Beton und Asphalt bedeckt. Die ersten sieben Gemeinden im ISPRA-Ranking liegen alle in der Provinz Neapel.
In Casavatore, in der Provinz Neapel, sind 91,8 Prozent des Gemeindegebiets von Gebäuden, Straßen und befestigten Flächen bedeckt. Von 1,53 Quadratkilometern Fläche liegen 146,75 Hektar bereits unter Asphalt oder Beton: Frei bleibt weniger als ein Hektar von zehn. Laut den ISPRA-Daten für 2024 ist es die am stärksten versiegelte Gemeinde Italiens — und sie liegt weder in der Brianza noch im Mailänder Umland.
Wenn in Italien über Flächenverbrauch gestritten wird, richtet sich der Blick fast immer nach Norden: die Gewerbehallen der Lombardei, die Logistikzentren entlang der A4, die Einkaufszentren Venetiens. Die Gemeindedaten erzählen etwas anderes. Die Spitze des Rankings spricht Neapolitanisch.
Hinter Casavatore bleibt das Ranking im selben Dialekt. Arzano liegt bei 83,4 Prozent, Melito di Napoli bei 81,5 Prozent, Cardito bei 74,2 Prozent. Es folgen Frattaminore mit 72,6 Prozent, Frattamaggiore mit 71,5 Prozent und Torre Annunziata auf praktisch demselben Niveau. Sieben Gemeinden, eine Provinz: Neapel.
Die erste lombardische Gemeinde taucht auf Platz acht auf. Es ist Lissone in der Brianza, mit 71,5 Prozent versiegelter Fläche. Auf den weiteren Plätzen folgen Sesto San Giovanni mit 69,2 Prozent, Orio al Serio — eingeklemmt zwischen Flughafen und Bergamo — mit 68,3 Prozent, Lallio mit 67,1 Prozent und Baranzate mit 63,6 Prozent. Die Lombardei füllt das Ranking ab Platz zehn, doch die Spitze bleibt fest kampanisch. Der nördliche Kranz Neapels ist ein durchgehendes Stadtgebiet, in dem Gemeindegrenzen nur Linien auf einer Karte sind: Von Casoria, bei 70,9 Prozent, gelangt man nach Casavatore, ohne es zu merken.
Anteil des versiegelten Gemeindegebiets. Quelle: DatiItalia, auf Basis von ISPRA-Daten.
Der Vergleich mit den Großstädten räumt mit einem weiteren Reflex auf, der Versiegelung mit Metropolen gleichsetzt. Turin hat 65,2 Prozent seines Gebiets versiegelt, Neapel 63,7 Prozent, Mailand 58,7 Prozent. Rom hat mit mehr als 30.396 Hektar absolut gesehen mehr Fläche verbraucht als jede andere italienische Gemeinde, kommt prozentual aber nur auf 23,7 Prozent: Das weite Umland des Agro Romano drückt den Schnitt. Keine Großstadt kommt auch nur in die Nähe der 91,8 Prozent von Casavatore.
Am anderen Ende steht Bionaz im Aostatal, wo die versiegelte Fläche 0,26 Prozent des Gebiets ausmacht — rund dreihundertfünfzigmal weniger als in Casavatore. Dazwischen liegen die 7.896 Gemeinden, für die ISPRA den Wert veröffentlicht.
Casavatore ist unterdessen auch bei der Bevölkerungsdichte ein Extremfall: 11.900 Einwohner pro Quadratkilometer, der höchste Wert Italiens, noch vor Portici, das seinerseits 68,9 Prozent seiner Fläche versiegelt hat. Und das durchschnittliche versteuerte Einkommen seiner Steuerzahler, 19.008 Euro im Jahr 2023, zeigt: Dies ist nicht der wohlhabende Wohnvorort, der andernorts den Flächenverbrauch antreibt, sondern dichter, einfacher Wohnungsbau aus einer Zeit, als es kaum Regeln gab.
Anteil der versiegelten Fläche, ISPRA-Daten 2024.
Der ISPRA-Wert misst versiegelten Boden, nicht städtische Qualität: Er unterscheidet nicht zwischen einem gepflasterten Platz und einer verlassenen Lagerhalle. Und es gibt bis heute keine öffentlichen Gemeindedaten dazu, wie viel der versiegelten Fläche zurückgewonnen werden könnte. Auch das gehört dazu: Das Ranking bildet den über Jahrzehnte angehäuften Bestand ab, nicht das aktuelle Tempo des Neubaus, bei dem die lombardisch-venetische Ebene die Jahresberichte weiter anführt.
Doch der Bestand zählt, denn er kehrt nicht zurück. Bionaz, oben zwischen den Gletschern des Aostatals, hat in seiner gesamten Geschichte 0,26 Prozent seines Gebiets bedeckt. Casavatore brauchte für seine 91,8 Prozent nur anderthalb Quadratkilometer.